BCS & CNS beim Pferd: So schätzt du den Ernährungszustand richtig ein
Wie viel wiegt mein Pferd eigentlich – und ist es zu dünn, passend im Futter oder eher zu kräftig? Die genaueste Antwort liefert eine Pferdewaage. Im Stallalltag ist eine solche Waage allerdings häufig nicht direkt verfügbar.
Um trotzdem einen besseren Eindruck vom Gewichts- und Ernährungszustand des Pferdes zu bekommen, können der Body Condition Score, kurz BCS, und der Cresty Neck Score, kurz CNS, eine praktische Orientierung bieten.
Dabei geht es nicht nur darum, das Pferd aus der Entfernung anzuschauen. Für eine möglichst nachvollziehbare Einschätzung sollte das Pferd auch abgetastet werden. In diesem Ratgeber erfährst du, wie BCS und CNS aufgebaut sind, welche Körperbereiche beurteilt werden und warum beide Werte sinnvoll gemeinsam betrachtet werden können.
Inhaltsverzeichnis
- Pferdegewicht bestimmen: Waage oder Körperbeurteilung?
- Was ist der Body Condition Score beim Pferd?
- BCS nach Henneke: Die Skala von 1 bis 9
- Diese Körperbereiche werden beim BCS beurteilt
- Was ist der Cresty Neck Score beim Pferd?
- BCS und CNS gemeinsam richtig einordnen
- Fazit: BCS und CNS machen den Körperzustand besser vergleichbar
- Häufig gestellte Fragen
Pferdegewicht bestimmen: Waage oder Körperbeurteilung?
Wenn es ausschließlich um das tatsächliche Körpergewicht geht, ist eine Pferdewaage die genaueste Möglichkeit.
In vielen Ställen steht jedoch keine eigene Waage zur Verfügung. Auch eine mobile Pferdewaage befindet sich nicht immer in unmittelbarer Nähe.
Gerade wenn du einschätzen möchtest, ob dein Pferd eher zu dünn oder zu kräftig ist, reicht die reine Kilogrammzahl außerdem nicht immer aus. Zwei Pferde können ein ähnliches Gewicht haben und trotzdem einen unterschiedlichen Körper- und Ernährungszustand zeigen.
Hier kommen BCS und CNS ins Spiel.
Sie ermöglichen keine exakte Gewichtsangabe in Kilogramm, können aber dabei helfen, den Körperzustand des Pferdes strukturiert und wiederholbar zu beurteilen.
Anschauen allein reicht nicht immer aus
Eine Einschätzung ausschließlich anhand von Fotos oder aus größerer Entfernung kann ungenau sein.
Fell, Perspektive, Licht oder Haltung des Pferdes verändern schnell den optischen Eindruck. Deshalb sollte das Pferd bei einer BCS-Beurteilung möglichst nicht nur angesehen, sondern auch angefasst und abgetastet werden.
So lassen sich bestimmte Körperregionen besser einschätzen.
Was ist der Body Condition Score beim Pferd?
Der Begriff Body Condition beschreibt das Verhältnis von Fettmasse zu fettfreier Masse im Körper eines lebenden Tieres.
Der Body Condition Score versucht, diesen Körperzustand anhand festgelegter Kriterien einzuordnen.
Dabei gibt es verschiedene Systeme und Abstufungen. Zu den bekannten Ansätzen gehören beispielsweise die Bewertung nach Carroll & Huntington sowie das Henneke-System.
Für eine möglichst einfache und verbreitete Einordnung konzentrieren wir uns hier auf das System nach Henneke.
Wichtig ist: Der BCS ist keine Schätzung des Pferdegewichts in Kilogramm. Er beschreibt vielmehr, wie der Körperzustand des Pferdes anhand verschiedener Regionen eingeordnet wird.
BCS nach Henneke: Die Skala von 1 bis 9
Beim Henneke-System wird der Body Condition Score von 1 bis 9 eingeteilt.
Dabei steht:
- BCS 1 für einen sehr dünnen Körperzustand,
- während BCS 9 einen sehr kräftigen Körperzustand beschreibt.
Zwischen diesen beiden Endpunkten liegen verschiedene Abstufungen.
Der Vorteil dieser Skala: Statt lediglich zu sagen „mein Pferd ist etwas dick“ oder „mein Pferd könnte mehr auf den Rippen haben“, erhält die Einschätzung einen klareren Rahmen.
Der Gesamtwert entsteht aus mehreren Einzelwerten
Der BCS wird nicht anhand nur einer Stelle bestimmt.
Verschiedene Körperbereiche werden einzeln betrachtet und bewertet. Anschließend wird aus den einzelnen Einschätzungen ein Durchschnittswert gebildet.
Dieser Durchschnitt ergibt den Gesamt-BCS des Pferdes.
Dadurch soll verhindert werden, dass ein einzelner auffälliger Körperbereich die gesamte Einschätzung bestimmt.
Den BCS nicht nur optisch schätzen
In der Praxis wird der BCS häufig niedriger eingeschätzt, als er bei einer systematischen Beurteilung tatsächlich ausfallen würde.
Gerade deshalb lohnt es sich, nach einem festen Schema vorzugehen und die einzelnen Körperregionen nacheinander zu beurteilen.
Diese Körperbereiche werden beim BCS beurteilt
Beim Henneke-System werden insgesamt sieben Bereiche des Pferdekörpers genauer betrachtet:
- Hals
- Widerrist
- Schulter
- Rücken
- Rippen
- Hüfte
- Schweifansatz
Jede dieser Regionen wird einzeln beurteilt.
Dabei geht es nicht ausschließlich um sichtbare Fettpolster. Auch die von außen erkennbare Muskelmasse beeinflusst den optischen und tastbaren Eindruck des Pferdes.
Hals
Am Hals wird betrachtet, wie gleichmäßig die Konturen verlaufen und wie ausgeprägt das Gewebe in diesem Bereich erscheint.
Der Mähnenkamm selbst wird später beim CNS noch einmal gesondert beurteilt.
Widerrist und Schulter
Widerrist und Schulter können je nach Körperzustand deutlich hervortreten oder stärker in das umliegende Gewebe eingebettet wirken.
Auch hier sollte nicht nur geschaut, sondern vorsichtig getastet werden.
Rücken und Rippen
Der Rücken sowie der Bereich der Rippen liefern ebenfalls wichtige Hinweise.
Bei der Rippenregion spielt beispielsweise eine Rolle, wie deutlich die Rippen sichtbar beziehungsweise tastbar sind.
Hüfte und Schweifansatz
Auch Hüftbereich und Schweifansatz werden einzeln bewertet.
Erst wenn alle sieben Bereiche betrachtet wurden, wird der Durchschnitt der Werte gebildet und daraus der Gesamt-BCS ermittelt.
Was ist der Cresty Neck Score beim Pferd?
Deutlich weniger bekannt als der BCS ist der Cresty Neck Score, kurz CNS.
Bei diesem Bewertungssystem steht speziell der Mähnenkamm des Pferdes im Mittelpunkt.
Hier wird beurteilt, wie ausgeprägt das Fettpolster im Bereich des Mähnenkamms ist.
Während der BCS also mehrere Körperregionen berücksichtigt, konzentriert sich der CNS gezielt auf den Hals beziehungsweise den Mähnenkamm.
Warum der CNS zusätzlich zum BCS sinnvoll ist
Der CNS sollte idealerweise nicht isoliert, sondern gemeinsam mit dem Body Condition Score betrachtet werden.
Denn ein Pferd kann einen bestimmten Gesamt-BCS haben und gleichzeitig am Mähnenkamm eine deutlich andere Fettverteilung zeigen.
Durch die Kombination aus beiden Bewertungen entsteht deshalb ein differenzierterer Eindruck vom Gewichts- und Ernährungszustand des Pferdes.
BCS und CNS gemeinsam richtig einordnen
BCS und CNS sind vor allem dann hilfreich, wenn du den Körperzustand deines Pferdes regelmäßig beobachten möchtest.
Das funktioniert besonders gut, wenn du immer nach demselben Schema vorgehst.
Zum Beispiel kannst du:
- die sieben Bereiche des BCS nacheinander beurteilen,
- die Einzelwerte notieren,
- daraus den Durchschnitt bestimmen,
- anschließend zusätzlich den CNS einschätzen
- und die Ergebnisse regelmäßig vergleichen.
So kannst du Veränderungen über einen längeren Zeitraum besser nachvollziehen.
Tabellen als Orientierung nutzen
Für sowohl BCS als auch CNS gibt es frei verfügbare Tabellen, anhand derer die einzelnen Abstufungen nachvollzogen werden können.
Gerade bei den ersten Versuchen kann es sinnvoll sein, eine solche Übersicht direkt neben das Pferd mitzunehmen und die einzelnen Merkmale Schritt für Schritt durchzugehen.
Auch der Vergleich mit anderen Pferden im Stall kann helfen, ein besseres Gefühl für die Bewertung zu entwickeln.
Dabei gilt: Übung macht die Einschätzung leichter.
Je häufiger du verschiedene Pferde anschaust und abtastest, desto besser lassen sich Unterschiede zwischen einzelnen Körperzuständen erkennen.
Werte regelmäßig dokumentieren
Statt den BCS nur einmal zu bestimmen, kann eine wiederkehrende Dokumentation hilfreich sein.
Notiere beispielsweise Datum, BCS und CNS und ergänze bei Bedarf Fotos aus vergleichbaren Perspektiven.
So entsteht mit der Zeit eine nachvollziehbare Übersicht über Veränderungen.
Wichtig bleibt dabei: Eine solche Bewertung ersetzt keine tatsächliche Pferdewaage, wenn das exakte Körpergewicht benötigt wird.
Fazit: BCS und CNS machen den Körperzustand besser vergleichbar
Die genaueste Möglichkeit zur Bestimmung des Körpergewichts bleibt die Pferdewaage. Da diese im Stallalltag aber nicht immer verfügbar ist, können BCS und CNS eine praktische Ergänzung zur Einschätzung des Ernährungszustands sein.
Beim Body Condition Score nach Henneke werden sieben Körperbereiche einzeln beurteilt und anschließend zu einem Gesamtwert zwischen 1 und 9 zusammengeführt.
Der Cresty Neck Score ergänzt diese Einschätzung um eine gezielte Betrachtung des Mähnenkamms.
Besonders sinnvoll ist es, beide Werte gemeinsam und regelmäßig zu bestimmen. So kannst du Veränderungen über längere Zeit besser vergleichen und bekommst ein strukturierteres Bild vom Körperzustand deines Pferdes.
Und keine Sorge, wenn die Bewertung beim ersten Versuch noch schwerfällt: Mit etwas Übung entwickelt sich schnell ein besseres Auge und Gefühl für die einzelnen Abstufungen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der BCS beim Pferd?
BCS steht für Body Condition Score. Er dient dazu, den Körper- und Ernährungszustand des Pferdes anhand festgelegter Körperbereiche systematisch einzuschätzen.
Wie wird der BCS beim Pferd bestimmt?
Beim Henneke-System werden Hals, Widerrist, Schulter, Rücken, Rippen, Hüfte und Schweifansatz einzeln beurteilt. Aus den sieben Bewertungen wird anschließend der durchschnittliche Gesamt-BCS gebildet.
Welche BCS-Skala gibt es beim Pferd?
Das Henneke-System arbeitet mit einer Skala von 1 bis 9. Dabei steht 1 für einen sehr dünnen und 9 für einen sehr kräftigen Körperzustand.
Kann man den BCS anhand eines Fotos bestimmen?
Eine reine Einschätzung anhand von Bildern kann ungenau sein. Für eine möglichst nachvollziehbare Beurteilung sollte das Pferd auch angefasst und an den entsprechenden Körperregionen abgetastet werden.
Was ist der CNS beim Pferd?
CNS steht für Cresty Neck Score. Dabei wird insbesondere die Ausprägung von Fettpolstern am Mähnenkamm des Pferdes beurteilt.
Sollte man BCS und CNS gemeinsam bestimmen?
Ja, beide Werte ergänzen sich. Während der BCS mehrere Regionen des gesamten Körpers betrachtet, konzentriert sich der CNS speziell auf den Mähnenkamm. Zusammen ermöglichen sie eine differenziertere Einschätzung des Körperzustands.
Ist der BCS genauso genau wie eine Pferdewaage?
Nein. Der BCS gibt keine exakte Gewichtsangabe in Kilogramm. Eine Pferdewaage bleibt für die genaue Gewichtsbestimmung die präziseste Methode. BCS und CNS helfen dagegen dabei, den Ernährungs- und Körperzustand systematisch einzuschätzen.