Pferde im Sommer: So schützt du dein Tier vor der Hitze
Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, freuen wir uns über das schöne Sommerwetter. Für dein Pferd bedeuten anhaltende Hitze und pralle Sonne jedoch oft Hitzestress. Da Pferde eine andere Thermoregulation als wir Menschen haben, macht ihnen die Sommerhitze deutlich schneller zu schaffen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie die Wärmeregulation der Tiere funktioniert, woran du Kreislaufprobleme erkennst und wie du dein Pferd im Sommer unterstützen kannst.
Wann ist es zu warm für Pferde?
Die Wohlfühltemperatur von Pferden liegt deutlich unter der des Menschen. Der optimale Bereich bewegt sich zwischen -7 °C und +25 °C. Steigt die Temperatur über diese Marke, muss der Pferdekörper aktiv gegensteuern, um die Kerntemperatur stabil zu halten. Besonders schwüles Sommerwetter blockiert die natürliche Kühlung: Der Schweiß verdunstet schlechter auf der Haut, wodurch die Wärme im Körper bleibt. Bei älteren Pferden, Tieren mit viel Fettmasse oder Ponys, die den Fellwechsel noch nicht komplett abgeschlossen haben, reagiert der Kreislauf noch empfindlicher auf Hitze. Auch bestimmte Pferderassen wie Islandpferde oder Fjordpferde, die für kühlere Klimazonen gezüchtet wurden, leiden stärker unter hohen Temperaturen.
Was kann man an heißen Tagen mit Pferden machen?
An heißen Tagen solltest du das Training deutlich herunterschrauben oder ganz in die kühlen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen. Wenn du reiten möchtest, nutze schattige Plätze wie ein Waldstück oder eine gut belüftete Reithalle.
- Belastung minimieren: Verzichte auf intensives Training und lange Galoppaden. Kurze Einheiten oder leichte Bodenarbeit reichen völlig aus.
- Transport vermeiden: Ein Hänger heizt sich extrem schnell auf. Vermeide Fahrten in der Mittagssonne, da hier ein gefährlicher Hitzestau beim Pferd entstehen kann.
- Insekten im Blick behalten: Neben der Hitze sorgt die Insektenplage für Unruhe. Bremsen und Kriebelmücken sind im Sommer besonders aktiv. Fliegenabwehr, wie eine leichte Fliegendecke und eine passende Fliegenmaske, schützen dein Tier auf der Koppel vor Stress.
Fütterung für den Sommer anpassen
Nicht nur das Haltungsmanagement, sondern auch die Fütterung entscheidet darüber, wie fit dein Pferd durch die heiße Jahreszeit kommt. Da hohe Temperaturen und üppige Weiden den Stoffwechsel stark beanspruchen, sollte die Sommerfütterung vor allem leicht verdaulich sein. Eine Überversorgung mit Stärke und Zucker belastet den Organismus an warmen Tagen nur unnötig.
Achte im Sommer auf folgende Kernpunkte in der Futterkammer:
- Raufutter als Fundament: Auch wenn die Pferde viel auf der Weide stehen, bleiben Heu oder Gras die Basis. Es liefert strukturreiche Rohfasern, die für eine stabile Verdauung sorgen.
- Kraftfutter reduzieren: Da das Gras auf der Koppel schon viel Energie liefert, reicht im Sommer meist ein getreidefreies Müsli oder eine rohfaserreiche Pellet-Variante mit moderatem Energiegehalt völlig aus.
- Elektrolyte & Mineralstoffe sichern: Durch die starke Schweißproduktion verliert das Pferd wichtige Mineralien. Ein gutes Mineralfutter und ein Salzleckstein sichern den täglichen Grundbedarf ab. Nach intensivem Training oder Turnieren helfen spezielle Elektrolyt-Präparate, um Muskelproblemen und Kreislaufschwäche vorzubeugen.
- Flüssigkeit clever füttern: Für trinkfaule Pferde oder nach dem Schwitzen ist ein leichtes Sommer-Mash ideal. Da es mit reichlich Wasser zubereitet wird, hilft es perfekt dabei, den Flüssigkeitshaushalt von innen heraus zu stabilisieren. Weißdorn hilft zusätzlich, den Kreislauf zu unterstützen.
Sollten Pferde bei Hitze auf die Wiese?
Die klassische Weidezeit in der prallen Mittagssonne solltest du überdenken. Wenn die Sonne unbarmherzig brennt, gehören Pferde in den schattigen Stall oder auf Ausläufe mit ausreichend Schattenspendern.
Große Bäume oder künstliche Sonnensegel sollten als Schattenplätze auf der Koppel verfügbar sein. Hat die Weide keinen Sonnenschutz, ist eine Nachtweide die beste Alternative. So können die Tiere grasen, wenn die Temperaturen sinken und die Insekten weniger aktiv sind. Wichtig ist, dass auf der Koppel und im Stall immer saubere Wasserstellen oder funktionierende Wasserquellen vorhanden sind.
Das löst zu viel Hitze beim Pferd aus
Kann das Pferd seine Körpertemperatur nicht mehr herunterregulieren, drohen ernsthafte gesundheitliche Probleme. Durch die Schweißproduktion verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch lebenswichtige Mineralien.
Dehydrierung erkennen
Verliert das Pferd durch starken Schweiß zu viel Flüssigkeit, droht eine Dehydrierung. Du kannst den Flüssigkeitshaushalt mit dem sogenannten Hautfaltentest überprüfen: Ziehe eine Hautfalte am Hals des Pferdes sanft nach oben. Bleibt die Falte nach dem Loslassen stehen und glättet sich nicht sofort wieder, liegt ein Flüssigkeitsmangel vor. Eine verringerte Futteraufnahme und allgemeine Schlappheit sind weitere Warnzeichen.
Hitzschlag und Sonnenstich
Ein Hitzschlag beim Pferd entsteht durch Überhitzung des gesamten Körpers, oft begünstigt durch mangelnde Belüftung im Stall oder Überlastung beim Reiten bei Hitze. Ein Sonnenstich hingegen entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf.
Typische Symptome für einen Hitzeschlag oder Kreislaufkollaps:
- Erhöhte Atemfrequenz und pumpende Flankenatmung
- Weit aufgerissene Nüstern, deutliches Vortreten der Blutgefäße
- Starkes Schwitzen, das plötzlich aufhört (die Schweißdrüsen versagen)
- Der Schweiß wird weiß und schäumend
- Apathie, Taumeln, Blutdruckabfall und ein schwacher Kreislauf
Wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen: Bring das Tier sofort in den Schatten. Biete ihm handwarmes Wasser an und kühle die Beine vorsichtig ab. Bei Verdacht auf einen Hitzschlag muss sofort der Tierarzt gerufen werden! Anhaltender Hitzestress schädigt die Alveolen in der Lunge, beeinträchtigt den Sauerstofftransport im Blut und kann lebensgefährlich enden.
Wie kann man Pferde im Sommer abkühlen?
Die richtige Kühlung sorgt für schnelle Erleichterung und stabilisiert den Kreislauf. Gehe dabei jedoch immer behutsam vor, um den Pferdekörper nicht zu schocken.
- Richtig abspritzen: Beginne mit der Kühlung immer hinten links an den Hufen und arbeite dich langsam über die Beine nach vorne. Erst wenn das Pferd sich an die Kälte gewöhnt hat, kommen Brust und Hals an die Reihe.
- Schweißmesser nutzen: Ziehe das Wasser nach dem Abspritzen sofort mit einem Schweißmesser ab. Bleibt das Wasser im Fell stehen, wirkt es wie eine Isolierschicht und die Hitze staut sich darunter erst recht.
- Kopf und empfindliche Stellen: Nutze einen feuchten Schwamm, um Gesicht und Nüstern sanft zu erfrischen.
- Stallklima optimieren: Ein Ventilator im Stall sorgt für die nötige Luftzirkulation und vertreibt gleichzeitig lästige Fliegen.
- Hautschutz: Pferde mit hellen Nasen oder Abzeichen können einen Sonnenbrand bekommen. Schütze diese Stellen rechtzeitig mit einer unparfümierten Sonnencreme.