Fliegenschutz beim Pferd: Spray, Fliegenmaske, Decke und Stallmanagement sinnvoll kombinieren
Sobald die Temperaturen steigen, nimmt auch die Zahl der Fliegen, Bremsen, Kriebelmücken und anderer Insekten rund um Stall, Weide und Paddock zu. Viele Pferde reagieren darauf mit Unruhe, häufigem Schweifschlagen, Stampfen oder dem Versuch, den Insekten durch Bewegung auszuweichen.
Doch welcher Fliegenschutz für Pferde ist im Alltag sinnvoll? Fliegenspray, Fliegenmaske, Fliegendecke, Ekzemerdecke, angepasste Weidezeiten oder eine ausgewogene Pferdefütterung?
In der Praxis gibt es selten eine einzelne Lösung, die für jedes Pferd und jede Haltungssituation gleichermaßen geeignet ist. Ein durchdachtes Fliegenschutzkonzept verbindet deshalb mehrere Maßnahmen: geeignete Produkte zur äußeren Anwendung, mechanischen Insektenschutz, sorgfältiges Stall- und Weidemanagement sowie eine bedarfsgerecht zusammengestellte Ration.
Warum Fliegenschutz beim Pferd mehr als ein Spray braucht?
Fliegen und stechende Insekten können Pferde beim Weidegang, auf dem Paddock, während des Trainings oder bei einem Ausritt erheblich stören. Häufiges Schweifschlagen, Kopfschütteln, Stampfen oder eine anhaltende Unruhe können Hinweise darauf sein, dass der aktuelle Insektenschutz nicht ausreicht.
Besonders häufig sammeln sich Insekten an Körperbereichen, die warm, feucht oder nur dünn behaart sind. Dazu gehören unter anderem die Augen- und Ohrenregion, die Bauchnaht, die Brust sowie die Schlauch- oder Euterregion. Auch kleine Hautverletzungen oder feuchte Fellbereiche können Insekten anziehen.
Ein einzelnes Fliegenspray genügt daher nicht in jeder Situation. Schweiß, Regen, Fellbeschaffenheit, Insektendruck und die Art der Anwendung können beeinflussen, wie lange ein Produkt auf dem Pferd verbleibt. Gleichzeitig lassen sich nicht alle empfindlichen Körperbereiche problemlos einsprühen.
Ein umfassendes Konzept für den Fliegen- und Insektenschutz beim Pferd kombiniert deshalb vier Bausteine:
- geeignete Repellents und Fliegenschutzmittel zur äußeren Anwendung
- Fliegenmasken und Fliegendecken als mechanische Barriere
- eine bedarfsgerecht zusammengestellte und zum Pferd passende Ration
- angepasste Weidezeiten, Stallhygiene und konsequentes Mistmanagement
Welche Kombination geeignet ist, hängt vom einzelnen Pferd, seiner Haltung, seiner Nutzung und dem Insektenaufkommen am jeweiligen Standort ab.
Fliegenspray: Auf den Wirkstoff kommt es an
Fliegenspray: Auf den Wirkstoff kommt es an
Beim Kauf eines Fliegensprays für Pferde lohnt sich nicht nur der Blick auf den Markennamen. Entscheidend sind vor allem der zugelassene Anwendungsbereich, die enthaltenen Wirk- und Duftstoffe, die Anwendungshinweise des Herstellers sowie die individuelle Verträglichkeit.
Auch die gewünschte Nutzung spielt eine Rolle: Für einen kurzen Ausritt können andere Produkte infrage kommen als für einen langen Weidetag oder ein Pferd, das beim Training stark schwitzt. Ein Produkt sollte stets entsprechend seiner Kennzeichnung verwendet werden. Hinweise zur Dosierung, Anwendungshäufigkeit und zu Körperbereichen, die ausgespart werden müssen, sind unbedingt zu beachten.
Icaridin für schwitzende Pferde im Training
Icaridin wird in verschiedenen Insektenschutzprodukten eingesetzt. Entsprechende Pferde-Fliegensprays können insbesondere für Trainingstage, Ausritte oder längere Aufenthalte im Freien interessant sein.
Wie lange ein Produkt am Pferd verbleibt, hängt jedoch nicht allein vom enthaltenen Wirkstoff ab. Schweißmenge, Regen, Felllänge, aufgetragene Menge und die jeweilige Produktformulierung können die Anwendungsdauer beeinflussen.
Nach dem Training sollte geprüft werden, ob das Produkt durch starken Schweiß oder anschließendes Abwaschen entfernt wurde. Eine erneute Anwendung darf nur im Rahmen der Herstellerangaben erfolgen.
IR3535 für sensible Haut
Auch IR3535 wird in Produkten zur Insektenabwehr eingesetzt. Bei Pferden mit empfindlicher Haut sollte besonders auf die vollständige Produktdeklaration und die korrekte Anwendung geachtet werden.
Ob ein Fliegenspray individuell gut vertragen wird, lässt sich nicht pauschal aus einem einzelnen Inhaltsstoff ableiten. Neben dem eigentlichen Wirkstoff können auch Trägerstoffe, Duftstoffe, ätherische Öle oder Konservierungsmittel relevant sein.
Vor der großflächigen Anwendung kann es sinnvoll sein, das Produkt zunächst an einer kleinen, unauffälligen Hautstelle zu testen. Treten auffällige Hautveränderungen auf, sollte das Produkt nicht weiterverwendet und fachlicher Rat eingeholt werden.
Ätherische Öle: intensiver Duft, unterschiedliche Anwendungsdauer
Pflanzliche Fliegensprays für Pferde enthalten häufig ätherische Öle oder intensiv riechende Pflanzenextrakte. Dazu zählen beispielsweise Citronella-, Eukalyptus-, Lavendel- oder Geraniumöl.
Wie lange der Duft auf dem Fell wahrnehmbar bleibt, hängt von der Konzentration, der Zusammensetzung des Produkts, der Außentemperatur und dem Wetter ab. Bei Hitze, Schweiß oder Regen kann eine erneute Anwendung nach Herstellerangabe erforderlich sein.
Auch pflanzliche oder als „natürlich“ beworbene Produkte sind nicht automatisch für jedes Pferd geeignet. Ätherische Öle können bei empfindlichen Pferden unerwünschte Hautreaktionen auslösen. Sie sollten daher ausschließlich in dafür vorgesehenen Pferdepflege- oder Fliegenschutzprodukten und niemals unverdünnt angewendet werden.
Roll-on und Gel für Kopf und Bauch
Fliegenschutz-Gele und Roll-ons lassen sich gezielt an schwer erreichbaren oder empfindlicheren Körperstellen auftragen. Sie können beispielsweise für die Ganaschen, die Brust, die Bauchnaht oder andere Bereiche verwendet werden, an denen ein Spray unpraktisch ist.
Rund um Augen, Nüstern, Maul und Schleimhäute ist besondere Vorsicht erforderlich. Nicht jedes Produkt ist für die Anwendung am Kopf zugelassen. Sprays sollten niemals direkt in das Gesicht des Pferdes gesprüht werden.
Ist die Anwendung am Kopf laut Hersteller erlaubt, kann das Produkt zunächst auf ein Tuch oder einen Schwamm gegeben und anschließend vorsichtig aufgetragen werden. Dabei müssen Augen, Schleimhäute und verletzte Haut ausgespart bleiben.
Fliegenmaske, Fliegendecke oder Ekzemerdecke?
Mechanischer Fliegenschutz bildet eine Barriere zwischen den Insekten und dem Pferd. Fliegenmasken, Fliegendecken und spezielle engmaschige Decken können deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu Fliegenspray oder Fliegengel sein.
Entscheidend sind die richtige Passform, ein atmungsaktives Material und eine regelmäßige Kontrolle. Selbst eine hochwertige Fliegendecke kann scheuern oder verrutschen, wenn Größe und Schnitt nicht zum Pferd passen.
Eine gut sitzende Fliegenmaske hält Insekten auf Abstand
Eine Fliegenmaske bedeckt je nach Modell die Augenpartie und zusätzlich die Ohren oder den Nüsternbereich. Sie soll verhindern, dass Fliegen ständig unmittelbar an Augen und Gesicht des Pferdes gelangen.
Damit die Maske angenehm sitzt, muss das Netz ausreichend Abstand zu Augenlidern und Wimpern haben. Auch bei Bewegung oder beim Fressen darf es nicht auf den Augen aufliegen. Verschlüsse und Einfassungen sollten weder drücken noch scheuern.
Die Fliegenmaske sollte mindestens einmal täglich abgenommen und kontrolliert werden. Schmutz, Staub und eingetrocknete Rückstände können sich im Netz sammeln. Beschädigte Nähte, scharfkantige Klettverschlüsse oder ausgeleierte Bereiche sind ein Grund, die Maske zu reparieren oder auszutauschen.
Bei tränenden, geröteten, geschwollenen oder verletzten Augen ist eine tierärztliche Abklärung erforderlich. Eine Fliegenmaske ersetzt keine Untersuchung oder Behandlung.
Fliegendecken mit Zebra-Muster bei üblichem Insektendruck
Für viele Pferde eignet sich eine leichte, helle und luftdurchlässige Fliegendecke. Sie bedeckt einen großen Teil des Körpers und erschwert es Insekten, direkt auf dem Fell oder der Haut zu landen.
Zebra-Fliegendecken sind aufgrund ihres kontrastreichen Streifenmusters besonders beliebt. Unabhängig vom Muster bleiben jedoch Material, Passform und Verarbeitung die wichtigsten Auswahlkriterien.
Eine gute Fliegendecke sollte:
- ausreichend Bewegungsfreiheit bieten
- an Schulter, Widerrist und Brust nicht scheuern
- eine passende Bauchabdeckung besitzen
- möglichst atmungsaktiv und leicht sein
- auch beim Wälzen und Bewegen sicher sitzen
- regelmäßig auf Verrutschen oder beschädigte Stellen kontrolliert werden
An warmen Tagen muss darauf geachtet werden, dass sich unter der Decke keine übermäßige Wärme oder Feuchtigkeit staut. Je nach Witterung und Pferd kann eine besonders luftige Netzdecke besser geeignet sein als ein dicht gewebtes Modell.
Ekzemerdecken für Pferde mit diagnostiziertem Sommerekzem
Für Pferde, bei denen ein Sommerekzem tierärztlich festgestellt wurde, werden häufig besonders engmaschige Decken eingesetzt. Solche Ekzemerdecken bedecken in der Regel Hals, Rumpf, Bauch und Schweifansatz umfassender als klassische Fliegendecken.
Die Auswahl und Nutzung der Decke sollte Bestandteil eines individuell abgestimmten Managements sein. Ein guter Sitz ist besonders wichtig, da eng anliegende oder lange getragene Decken regelmäßig auf Scheuerstellen, Feuchtigkeit und Verschmutzungen kontrolliert werden müssen.
Viele Halter beginnen mit dem mechanischen Schutz bereits zu Beginn der Insektensaison. Der geeignete Startzeitpunkt und weitere Maßnahmen sollten sich jedoch nach den tierärztlichen Empfehlungen und den individuellen Bedingungen am Standort richten.
Akute Hautveränderungen, offene Stellen oder ausgeprägtes Scheuern gehören in tierärztliche Hände. Eine Decke kann den Kontakt mit Insekten begrenzen, ersetzt jedoch keine Diagnose oder Therapie.
Fütterung in der Insektensaison: die Ration bedarfsgerecht gestalten
Futtermittel können Fliegen, Bremsen oder Kriebelmücken nicht zuverlässig vom Pferd fernhalten. Auch eine bestimmte Futterration ersetzt weder Fliegenspray noch Fliegenmaske, Fliegendecke, Stallhygiene oder ein angepasstes Weidemanagement.
Unabhängig von der Insektensaison sollte die Fütterung jedoch bedarfsgerecht, ausgewogen und auf das einzelne Pferd abgestimmt sein. Alter, Gewicht, Arbeitsleistung, Haltung, Raufutterqualität und bereits eingesetzte Ergänzungsfuttermittel müssen bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden.
Wer die Fütterung seines Pferdes überprüfen möchte, sollte deshalb nicht nach einem vermeintlichen „Futter gegen Fliegen“ suchen. Sinnvoller ist eine sachliche Betrachtung der gesamten Ration einschließlich Raufutter, Weidegras, Mineralfutter, Kraftfutter und zusätzlicher Öle oder Einzelfuttermittel.
Zucker und Stärke an den individuellen Bedarf anpassen
Der Bedarf an schnell verfügbarer Energie unterscheidet sich deutlich zwischen einem leichtfuttrigen Freizeitpferd, einem Sportpferd, einem älteren Pferd und einem Pferd mit besonderen tierärztlich festgestellten Anforderungen.
Kraftfutter, Getreide, junge Weidegräser und bestimmte Ergänzungsfuttermittel können relevante Mengen an Zucker oder Stärke liefern. Diese Bestandteile sind nicht grundsätzlich ungeeignet, sollten jedoch zum Energiebedarf und zur Gesamtration des Pferdes passen.
Bei leichtfuttrigen Pferden oder Pferden, für die eine angepasste Zucker- und Stärkeaufnahme empfohlen wurde, können unter anderem folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Analyse und Qualität des Raufutters
- Menge und Art des Kraftfutters
- Zusammensetzung von Müslis und Ergänzungsfuttermitteln
- Weidedauer und Entwicklungsstadium des Grases
- Körpergewicht und tatsächliche Arbeitsleistung
- bereits bestehende tierärztliche Fütterungsempfehlungen
Eine pauschale Aussage, dass Zucker oder Stärke Juckreiz verursachen oder verschlimmern, lässt sich daraus nicht ableiten. Bei gesundheitlichen Auffälligkeiten sollte die Ration gemeinsam mit einer tierärztlichen oder qualifizierten fütterungsfachlichen Beratung überprüft werden.
Rohfaser als Grundlage der Pferdefütterung
Hygienisch einwandfreies Raufutter bildet die Grundlage einer pferdegerechten Ration. Je nach Haltung stehen beispielsweise Heu, Heulage oder geeignete Raufutteralternativen zur Verfügung.
Die passende Raufuttermenge muss auf Körpergewicht, Ernährungszustand, Bewegung, Haltung und individuelle Anforderungen abgestimmt werden. Neben der Menge sind auch Qualität, hygienischer Zustand und Nährstoffgehalt relevant.
Muffiges, stark staubiges, verschimmeltes oder anderweitig verdorbenes Raufutter gehört nicht in den Trog. Bei Unsicherheit über den Nährstoffgehalt kann eine Raufutteranalyse wertvolle Informationen für die weitere Rationsplanung liefern.
Zusätzlich sollten längere Fresspausen vermieden und ausreichend frisches Wasser bereitgestellt werden. Salz beziehungsweise ein Salzleckstein kann abhängig von Ration, Schweißverlust und Haltung ebenfalls berücksichtigt werden.
Zink und Omega-3-Fettsäuren bedarfsgerecht einsetzen
Zink ist ein essenzielles Spurenelement und Bestandteil zahlreicher natürlicher Stoffwechselvorgänge. Eine ausreichende Zinkversorgung gehört daher zu einer ausgewogenen Gesamtration.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Pferd automatisch zusätzliches Zink benötigt. Eine unnötig hohe oder dauerhaft einseitige Ergänzung kann das Verhältnis zu anderen Spurenelementen beeinflussen. Vor der Gabe eines hoch dosierten Zinkprodukts sollten deshalb die vorhandene Ration, das Mineralfutter und nach Möglichkeit die Raufutterwerte berücksichtigt werden.
Omega-3-Fettsäuren können beispielsweise über Leinöl, Leinsamen oder andere geeignete Futtermittel in die Ration eingebracht werden. Solche Produkte liefern zusätzliche Fettsäuren und Energie. Ihre Menge sollte zur übrigen Fütterung, zum Körpergewicht und zum Energiebedarf des Pferdes passen.
Fütterungs-Check für insektenempfindliche Pferde
Gesamtaufnahme an Energiebedarf, Ernährungszustand, Arbeit und gegebenenfalls fachliche Empfehlungen anpassenGesamtration einschließlich Raufutter, Kraftfutter und Mineralfutter betrachten; Über- und Unterversorgung vermeidenGeeignete Quellen wie Leinöl oder Leinsamen passend zur Gesamtenergieversorgung auswählenWeidedauer, Grasbestand, Jahreszeit, Wetterbedingungen und individuellen Futterbedarf berücksichtigenWarum Knoblauch für Pferde kritisch betrachtet werden sollte
Knoblauch wird häufig als natürlicher Fliegenschutz für Pferde angeboten oder empfohlen. Dabei wird teilweise behauptet, sein Geruch werde über Haut oder Schweiß abgegeben und halte dadurch Fliegen und andere Insekten fern.
Eine verlässliche Insektenabwehr durch die Fütterung von Knoblauch lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Pferdehalter sollten Knoblauch deshalb nicht als Ersatz für geeignete Fliegenschutzprodukte, eine Fliegenmaske, eine Fliegendecke oder angepasstes Stallmanagement betrachten.
Darüber hinaus ist Knoblauch kein gewöhnliches, unbegrenzt einsetzbares Futtermittel. Bestimmte enthaltene Schwefelverbindungen können bei entsprechender Aufnahmemenge unerwünschte Auswirkungen auf den Organismus haben. Die tatsächlich aufgenommene Menge ist insbesondere bei Mischprodukten nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.
Wer bereits mehrere Ergänzungsfuttermittel verwendet, sollte daher die Deklarationen sorgfältig prüfen. Knoblauch kann in Kräutermischungen, saisonalen Ergänzungsfuttern oder Mineralfuttermitteln enthalten sein.
Bei Fragen zur Eignung oder Dosierung eines knoblauchhaltigen Produkts sollte fachlicher Rat eingeholt werden. Zur direkten Insektenabwehr stehen gezielter einsetzbare Maßnahmen zur Verfügung.
Weidemanagement und Stallhygiene gegen Insekten
Fliegenspray und Fliegendecke können nur einen Teil eines umfassenden Insektenschutzkonzepts abdecken. Ebenso wichtig sind die Bedingungen auf Weide, Paddock und im Stall.
Mist, feuchte Einstreu, Futterreste, verschmutzte Tränken und stehendes Wasser können günstige Bedingungen für verschiedene Insektenarten schaffen. Eine konsequente Hygiene kann deshalb dazu beitragen, das Umfeld für Fliegen weniger attraktiv zu machen.
Auch die Tageszeit spielt eine Rolle. Welche Insekten wann besonders aktiv sind, hängt von Art, Wetter, Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit und Standort ab. Die Situation sollte daher direkt am eigenen Stall beobachtet werden.
Koppelzeiten an die Insektenaktivität anpassen
Kriebelmücken werden häufig in windarmen Zeiträumen sowie am Morgen oder in der Dämmerung wahrgenommen. Bremsen treten dagegen oft verstärkt an warmen, sonnigen Tagen auf. Fliegen können je nach Stallumgebung über viele Stunden hinweg aktiv sein.
Pauschale Koppelzeiten sind deshalb nicht für jeden Standort geeignet. Pferdehalter sollten beobachten, wann der Insektendruck auf der eigenen Weide besonders hoch ist, und die Weidezeiten nach Möglichkeit entsprechend anpassen.
Mögliche Maßnahmen sind:
- Nutzung insektenärmerer Zeitfenster
- Bereitstellung eines luftigen und schattigen Unterstands
- Zugang zu windoffenen Bereichen
- Einsatz passend sitzender Fliegenmasken und Fliegendecken
- regelmäßige Kontrolle des Pferdes während des Weidegangs
- Vermeidung sehr feuchter oder dicht bewachsener Randbereiche, sofern dort besonders viele Insekten auftreten
Weidezeiten dürfen nicht ausschließlich nach dem Insektenaufkommen geplant werden. Auch Fütterung, Sozialkontakt, Bewegung, Wetter, Untergrund und individuelle Bedürfnisse des Pferdes müssen berücksichtigt werden.
Mistmanagement senkt das Fliegenaufkommen im Stallumfeld
Mist, feuchte Einstreu und liegen gebliebene Futterreste bieten vielen Fliegen geeignete Bedingungen zur Eiablage und Entwicklung. Ein konsequentes Mistmanagement ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Fliegenkontrolle im Pferdestall.
Dazu gehören:
- Boxen und Liegeflächen regelmäßig ausmisten
- nasse Einstreu zeitnah entfernen
- Paddocks und stark genutzte Ausläufe abäppeln
- Futterreste und verdorbenes Futter beseitigen
- Tränken sauber halten
- Mistplatten fachgerecht bewirtschaften
- Abflüsse und feuchte Bereiche kontrollieren
- Regenwasseransammlungen in Behältern vermeiden
- Futterkammern sauber und verschlossen halten
Auch Stalllüfter können in geeigneten Bereichen hilfreich sein, da viele Fluginsekten starke Luftbewegung meiden. Ventilatoren müssen jedoch sicher montiert, für den Einsatz im Stall geeignet und außerhalb der Reichweite der Pferde angebracht sein.
Fliegenfallen oder weitere Bekämpfungsprodukte dürfen nur gemäß ihrer Kennzeichnung eingesetzt werden. Sie müssen so platziert werden, dass Pferde, andere Tiere und Futtermittel nicht gefährdet oder verunreinigt werden.
Sinnvoller Fliegenschutz besteht aus mehreren Bausteinen
Ein praxistaugliches Fliegenschutzkonzept berücksichtigt das einzelne Pferd ebenso wie die Bedingungen im Stall und auf der Weide. Nicht jedes Pferd benötigt dieselben Produkte. Während bei geringem Insektenaufkommen möglicherweise eine Fliegenmaske und ein gezielt eingesetztes Spray genügen, kann bei anderen Pferden eine Kombination aus Decke, Maske, Repellent und angepassten Weidezeiten sinnvoll sein.
Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:
- Vor dem Weidegang Fliegenmaske und Fliegendecke auf korrekten Sitz prüfen.
- Fliegenschutzmittel nur entsprechend der Produktkennzeichnung verwenden.
- Nach starkem Schwitzen oder Regen kontrollieren, ob eine erneute Anwendung laut Hersteller vorgesehen ist.
- Empfindliche Körperbereiche ausschließlich mit dafür geeigneten Produkten behandeln.
- Die gesamte Futterration bedarfsgerecht zusammenstellen und unnötige Mehrfachergänzungen vermeiden.
- Bei diagnostiziertem Sommerekzem das Management mit der behandelnden Tierarztpraxis abstimmen.
- Mist, feuchte Einstreu und Futterreste regelmäßig entfernen.
- Tränken, Paddocks und Unterstände sauber halten.
- Das Insektenaufkommen zu verschiedenen Tageszeiten beobachten.
- Haut, Fell, Augen und Scheuerstellen täglich kontrollieren.
Fazit: Fliegenschutz individuell zusammenstellen
Beim Fliegenschutz für Pferde kommt es nicht darauf an, möglichst viele Produkte gleichzeitig einzusetzen. Entscheidend ist eine Kombination, die zum Pferd, zur Haltung, zur Nutzung und zum Insektenaufkommen am jeweiligen Standort passt.
Fliegenspray oder Fliegengel können die äußere Abwehr ergänzen. Eine gut sitzende Fliegenmaske und eine geeignete Fliegendecke bilden eine mechanische Barriere. Angepasste Weidezeiten, Stallhygiene und Mistmanagement reduzieren vermeidbare Anziehungspunkte im Umfeld.
Auch die Fütterung sollte sorgfältig betrachtet werden. Sie ist jedoch kein Ersatz für direkten Insektenschutz und darf nicht als Behandlung von Juckreiz, Sommerekzem oder anderen Erkrankungen dargestellt werden. Im Mittelpunkt steht eine ausgewogene und bedarfsgerechte Gesamtration.
Treten deutliche Hautveränderungen, offene Scheuerstellen, geschwollene Augen oder andere gesundheitliche Auffälligkeiten auf, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.
Häufige Fragen
Welcher Wirkstoff im Fliegenspray eignet sich für stark schwitzende Pferde?
Für stark schwitzende Pferde werden unter anderem
Fliegenschutzprodukte mit Icaridin angeboten. Ob ein konkretes Produkt für
Training, Ausritte oder Weidegang geeignet ist, hängt von seiner Zulassung,
Formulierung und Kennzeichnung ab. Die Dauer bis zu einer möglichen erneuten Anwendung
kann durch Schweiß, Regen, Fellbeschaffenheit und aufgetragene Menge
beeinflusst werden. Maßgeblich sind immer die Anwendungshinweise des
Herstellers. Ein Fliegenspray darf weder häufiger noch höher dosiert verwendet
werden als vorgesehen.
Wie muss eine Fliegenmaske sitzen?
Das Netz der Fliegenmaske darf nicht auf den
Augenlidern oder Wimpern aufliegen. Es muss auch bei Bewegung genügend Abstand
zum Auge behalten. Einfassungen und Verschlüsse sollten sicher sitzen, ohne an
Backen, Ohren, Genick oder Nasenrücken zu scheuern. Die Maske sollte täglich abgenommen, gereinigt und auf
Beschädigungen kontrolliert werden. Bei geröteten, geschwollenen, tränenden
oder verletzten Augen ist eine tierärztliche Abklärung erforderlich.
Braucht jedes Pferd eine Fliegendecke?
Nein. Ob eine Fliegendecke benötigt wird, hängt vom
Insektenaufkommen, von der Haltung und vom individuellen Pferd ab. Bei geringem
Insektendruck können eine Fliegenmaske, ein geeignetes Fliegenschutzmittel und
angepasstes Weidemanagement ausreichend sein. Bei starkem Insektenaufkommen oder besonders
empfindlichen Pferden kann eine passende Decke eine sinnvolle mechanische
Barriere darstellen. Für Pferde mit diagnostiziertem Sommerekzem kommen häufig
besonders engmaschige Ekzemerdecken zum Einsatz. Die Auswahl sollte Teil des
individuell abgestimmten Managements sein.
Kann die Fütterung Fliegen fernhalten?
Für eine zuverlässige Insektenabwehr durch die
Fütterung gibt es keine allgemein anwendbare Lösung. Futtermittel ersetzen
daher weder Fliegenspray noch Fliegenmaske, Decke, Stallhygiene oder angepasste
Weidezeiten. Eine bedarfsgerechte Fütterung bleibt unabhängig davon
wichtig. Die Ration sollte ausreichend geeignetes Raufutter enthalten und
hinsichtlich Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Spurenelementen zum jeweiligen
Pferd passen. Einzelne Nährstoffe oder Ergänzungsfuttermittel sollten nicht mit
einer Wirkung gegen Fliegen, Juckreiz oder Erkrankungen beworben werden.
Hilft Knoblauch gegen Fliegen beim Pferd?
Eine verlässliche Fliegenabwehr durch die Fütterung
von Knoblauch lässt sich nicht voraussetzen. Knoblauch sollte deshalb nicht als
Ersatz für gezielte Maßnahmen zum Insektenschutz eingesetzt werden. Da knoblauchhaltige Futtermittel je nach
Zusammensetzung unterschiedliche Mengen liefern können, sind Deklaration und
Fütterungsempfehlung sorgfältig zu prüfen. Bei Unsicherheit sollte vor der
längerfristigen Fütterung fachlicher Rat eingeholt werden.
Wann sind Kriebelmücken und Bremsen besonders aktiv?
Kriebelmücken werden häufig in windarmen Zeiträumen am
Morgen oder in der Dämmerung beobachtet. Bremsen können besonders an warmen und
sonnigen Tagen auftreten. Die tatsächliche Aktivität hängt jedoch von Wetter,
Landschaft, Gewässernähe und den örtlichen Bedingungen ab. Beobachte das Insektenaufkommen direkt am Stall und
auf den genutzten Weideflächen. So lassen sich Weidezeiten und Schutzmaßnahmen
besser an die konkrete Situation anpassen.